Messkonzept und Datenerfassung

Im gesamten Gebäude sind 82 eigens entwickelte Messstationen, die sogenannten “Bienchen“ integriert. Diese erfassen kontinuierlich bauphysikalische Parameter über alle vier Geschosse hinweg. Dazu zählen insbesondere:

  • Temperaturverteilungen in Bauteilen und Innenräumen
  • Feuchteverläufe innerhalb der Konstruktion
  • Schallparameter zur Bewertung der akustischen Eigenschaften
  • Luftqualitätswerte zur Analyse des Raumklimas

Die verschiedenen Messdaten werden in einer speziell entwickelten Software, Smart Habitat zusammengeführt und in Echtzeit ausgewertet. Dadurch entsteht ein dynamisches Abbild des Gebäudezustands unter realen Nutzungsbedingungen. Ziel dieses Ansatzes ist eine transparente und messbare Bauphysik, die belastbare Aussagen über das Verhalten von Material und Konstruktion ermöglicht.

Smart Habitat Software

Feuchteschutz ohne klassische Dampfsperre

Ein zentraler Untersuchungsschwerpunkt liegt im Feuchtemanagement der Konstruktion. Durch die kontinuierliche Analyse der Feuchteverteilung innerhalb der Bauteile wird überprüft, wie sich die Smart-Castle-Konstruktion unter wechselnden klimatischen Bedingungen verhält. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der entwickelte Wand- und Deckenaufbau ohne klassische Dampfsperre funktioniert.

Grundlage hierfür ist die hygroskopische Eigenschaft des Holzes: Holz ist in der Lage, Feuchtigkeit aus der Umgebung aufzunehmen, zwischenzuspeichern und wieder abzugeben. In Kombination mit dem konstruktiven Aufbau entsteht ein System, das Feuchtespitzen ausgleicht und eine stabile Gleichgewichtsfeuchte im Bauteil ermöglicht. Ziel ist es, den Feuchteschutz nicht über dichte Schichten, sondern über Materialverhalten und Systemlogik sicherzustellen.

Schallschutz und akustische Eigenschaften

Neben dem Feuchteverhalten wird im Testhaus auch die Schallübertragung innerhalb des Gebäudes untersucht. Die integrierten Messstationen ermöglichen eine detaillierte Bewertung von Luft- und Körperschall zwischen Räumen und Geschossen. Die Ergebnisse werden im Kontext der geltenden Anforderungen an den Schallschutz im Wohnungsbau bewertet, insbesondere gemäß:

  • DIN 4109 – Schallschutz im Hochbau
  • ergänzend höhere Komfortanforderungen nach VDI 4100

Ziel der Untersuchungen ist es, nachzuweisen, dass die Smart-Castle-Konstruktion die erforderlichen Schallschutzwerte erfüllt und darüber hinaus neue Erkenntnisse für den mehrgeschossigen Holzbau liefert. Durch den monolithischen, kleinteiligen Aufbau ergeben sich dabei spezifische Effekte in der Schallweiterleitung und -dämpfung, die systematisch ausgewertet werden.

Erkenntnisse aus Smart Habitat

Mit Smart Habitat messen wir das reale Verhalten der Smart Castle Bauweise im laufenden Betrieb. Dabei werden Temperatur- und Feuchteverläufe an der Fassade sowie im Innenraum erfasst, ausgewertet und miteinander verglichen.

Besonders interessant ist das Wechselspiel zwischen Sonnenaufgang, Sonneneinstrahlung, Erwärmung der Fassade und anschließender Abkühlung nach Sonnenuntergang. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie sich Wärme in der Konstruktion bewegt und wie sich die Feuchtigkeit analog dazu verändert.

Auch im Innenraum zeigen die Messdaten, wie stabil Temperatur und Luftfeuchte bleiben und wie die Konstruktion auf Nutzung, Wetter und Jahreszeiten reagiert.

Smart Habitat ist damit ein laufender Erkenntnisprozess, Wir messen, ermitteln und werten aus, um die Bauweise weiter zu verbessern und belastbare Grundlagen für zukünftige Nachweise zu schaffen.